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26°C, haben sie gesagt. Bewölkt, haben sie gesagt...
Gute Bedingungen, um den 25 kg- Eisenhaufen von 1934 mal wieder auszuführen.
Außerdem musste der Schlechtstraßenwettersattel eingesessen werden.

(c) eric prieditis

Der aufmerksame Beobachter hat es bereits gemerkt und bestimmt auch gestutzt.
Das Rad sieht anders aus, als wie sonst.
Genau, Gepäckträger ab, Karbidleuchte ab. Seit dem 1. August braucht man nämlich gar keine Fahrradbeleuchtung mehr. So hab ich das zumindest verstanden.
Und dann wäre da noch dieses Monster von Sattel, mit 7 (!) Federelementen. Gewicht: 2,2 kg.
Es soll Fahrradrahmen geben, die weniger wiegen.
Der Sattel hat auch einen Namen. Das ist natürlich und eigentlich völlig albern. Oder haben Sie, geneigter Leser, vielleicht Ihrem Auto einen Namen gegeben? Na also...
Aber, in diesem Fall ging das gar nicht anders. Das Ding heißt schlichtweg nur:
„Der Krefelder“ (fahren Sie mal dort Fahrrad, dann wissen Sie bescheid).

Auf die Knickerbocker hatte ich ebenso verzichtet, weil die Kniestrümpfe... das wäre dann doch ein klein wenig zu warm geworden.
Immerhin: Saffetie first! Und die Radfahrermütze aufgesetzt.

(c) eric prieditis
Und dann also frisch auf, vom ehemaligen Schreibtisch des Ruhrgebietes - denn im Ruhrgebiet, da bekam man Lohn, hier aber das Gehalt.
(Das da hinten, das ist das Drei-Scheiben-Haus. Und tatsächlich, wie das mit ollen Industriebrachen so ist, sind noch genau drei Scheiben heile...)
Also, von dort aus velozipedierte ich

(c) eric prieditis
in den Dschungel der westlichen Provinz!

Über wulstreifentaugliche Wege, die es aus romantischen Gründen sogar noch hier im Schwellenzentrum gibt.
Genau für solche Wege hat man ja die Wulstreifen erfunden! Da kommt nämlich nur ein ganz leichter Hauch von Luft hinein. Also, wenn man mich fragt, braucht es da gar keine komplizierte Ventiltechnik. So ein Plastikschnubbel, wie bei der Luftmatratze oder den Schwimmflügeln, hätte es auch getan.
So richtige Wulstreifenstraßen, mit Sommer- und Winterfahrbahn, die gibt es noch in Polen. Oder in Nordfrankreich. Und in Belgien, in Belgien natürlich auch. Dort sogar flächendeckend. An der Grenze zu Nordfrankreich. Und in Krefeld.

(c) eric prieditis
Hier ein erster Hinweis auf mein Ziel.

Im westlichen Teil des Mittelzentrums, da wird es mitunter etwas trist, was die Bebauung betrifft. Da fährt man so durch und denkt an andere, schönere Dinge. Und schwuppdiwupp – ist man in einer ganz anderen Stadt! Das merkt man aber eigentlich gar nicht, weil es dort genauso trist ist.
Hier mal eine Ausnahme, eine Burgerkette hatte ein sehr schönes Plakat gestaltet,

(c) eric prieditis
zur Verschönerung

Weil der Rest so trostlos ist, hab ich mal kein Foto gemacht. Ich hätte sonst geweint.

(c) eric prieditis
Dann aber wurde es schön!

Schön gerade.
Das war bestimmt mal eine Eisenbahnlinie gewesen, dachte ich so bei mir aber dann war klar, es muss der olle Nordkanal gewesen sein.
Den hat der Napoleon damals mal gebaut, in seiner Freizeit. Dann musste er aber aufhören, weil er geschäftlich in Russland zu tun hatte.
Dort liefen die Geschäfte aber nicht so gut. Und dann war kein Geld mehr für sein Hobby, den Nordkanal übrig und die Niederrheiner wollten auch gar keine Franzosen mehr sein. Lieber wären sie Holländer geworden.
Um daran zu erinnern, hat das internationale Metropolregion-Marketing an vielen Stellen so hübsche Stelen errichtet, die den Verlauf der napoleonischen Spatentechnik zeigen.

Hier hab ich mal so eine Stele fotografiert:
(c) eric prieditis

Ach, Halt!
(c) eric prieditis
So, sehen die aus.

Experimentelle Archäologen haben dann noch so ein Stück Nordkanal rekonstruiert:

(c) eric prieditis
Nordkanal

Beim Nordkanal gucken muss man aber höllisch aufpassen und nicht lange verweilen, denn wenn man bremst, dann kommen rucki-zucki die Bremsen und schneiden, wie eine Schere, eine klaffende Fleichwunde in den Menschen und der stirbt dann unweigerlich an Milzbrand. „Die“ übrigens auch. Nicht die Bremse, sondern „die“ MenschIn. Ich erwähne das nur, um nicht als „alter weißer Mann“ zu gelten.

Weil ich zu alt bin, um jung zu sterben, hab ich mich aber mal so ganz flott auf die Socken gemacht und bin zum nächsten Posten der Zivilisation geradelt.
Das dort der demographische Wandel bereits in voller Blüte steht, sieht man an den

(c) eric prieditis
fast verwaisten Fahrradständern. Konzipiert für Millionen, finanziert von der EU, oder zumindest der örtlichen Spar- und Darlehenskasse, rezipiert von .. naja, Sie sehen ja selbst.
Vielleicht aber auch die Hoffnung auf bessere Zeiten, wer weiß das schon.

Ich weiß ja nicht, wie gut Sie sich am Niederrhein so auskennen. Die Gegend hier, zwischen den einzelnen Siedlungen, ist nämlich bemerkenswert, weil sie nicht einmalig ist! Ganz im Gegenteil: Sieht alles gleich aus.

Gucken Sie mal:

(c) eric prieditis
zwischen Krefeld und Viersen

(c) eric prieditis
Zwischen Mönchengladbach und Kempen

(c) eric prieditis
Zwischen Willich und Vorst

Sieht überall gleich aus!
Wenn Sie da mal einfach so aufs geratewohl per pedes, also, zu Fuß, los marschieren, dann laufen Sie auf jeden Fall im Kreis, weil ja die Orientierung fehlt.
Das hat mit der Evolution zu tun.
Wenn man nämlich damals, als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, plötzlich und unerwartet, vor einem wilden Tiger davonrennen musste, weil kein ADHS-Kind in der Gruppe war, das des Tigers Witterung aufnehmen hätte können, dann, ja dann war das von der Natur so eingerichtet, daß man auf jeden Fall, irgendwann, zur heimatlichen Doppelhaushälfte zurückkehren würde. Das das so stimmt, kann man sich ganz leicht an seinen eigenen sechs Fingern abzählen.
Und da schließt sich dann auch der Kreis. Äh...so oder so.
Ich kenne mich aber ganz gut aus und habe mich nur ein klitzekleines bisschen verfranst..

Und Rubeldikatz, da war ich dann auch schon am Zielort!

(c) eric prieditis
Las Vegas!

Äh...Viersen, in Las Viersen.

Was für eine Enttäuschung! Ich hatte das noch anders in Erinnerung. Aussen mint-grün und die Gaststube wie ein „Diner“ mit viel Bling-Bling und emaillierten Werbetafeln gänzlich amerikanischer Warengruppen, in französischer Sprache. War wohl mal so ein Franchise aus Kanada.
Damals, in den neunziger Jahren. Als Erik Zabel grüne Hemden trug.

Und nun? Rostschutzgeprimert, der Gebrauchtwagen auf dem Dach!
Bestimmt ein Überbleibsel der metallverarbeitenden Industrie, die jetzt auch woanders rostschutzprimern lässt.
Mehr Detroit als Las Vegas. Dafür hab ich dann doch Empathiepunkte gegeben.

Leicht schwummerig bin ich dann den Radweg entlang. Die Radwege sind in Viersen mitunter

(c) eric prieditis
knapp bemessen.

Aber weil die Stadtoberen wohl ahnten, daß einem beim Anblick von Viersen etwas schwummerig werden kann, haben sie vorsorglich – Ach, jetzt wird mir das klar... Hat man vonwegen dem geo..äh..

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demographischen Wandel gemacht:

(c) eric prieditis
Haltegriffe an Ampeln

(c) eric prieditis
Da hab ich mich mal kurz festhalten müssen. Natürlich mit Handschuh, wegen der Hyä..Hügi..wegen der Bakterien.

Menschen hab ich in Viersen erstmal keine gesehen. Und das bei 26°C!
Da geht man doch mal raus, in ein Café! Oder zumindest an den Kiosk. Man muss ja nicht gleich 100 km mit der Radfahrermütze...

(c) eric prieditis
wie leergefegt

(c) eric prieditis
Der Brunnen lief auch nicht so richtig.

Und EIN einzelnes Kind war dort und hat gespielt. Alleine, ohne Eltern, Omma, Oppa...
bevor ich wieder losheulen hätte müssen, bin ich schnell wieder weg.

26°C, hatten die ja gesagt. Bewölkt, hatten die gesagt. Ich hab dem Braten nicht getraut und extra ein Thermometer mitgenommen gehabt:

(c) eric prieditis
26°C, kein Zweifel.

Das war jetzt ein bisschen blöd, weil, darauf war ich nicht so richtig eingestellt.
Die Trinkflasche fast leer, keine Sonnenkreme, kein UV-Anzug... schöne Bescherung.

(c) eric prieditis
Ich hatte aber wie so oft, mächtig Dusel gehabt, den die zielführende Straße war erreicht!
Mit Schatten!
Die Bismarckstraße!

Da wollt ich mich auch gar nicht beklagen, über die hohen Temperaturen und die fehlenden Wolken.
Denn, der Winter, ne, der war ja lang und hart gewesen, bis vor wenigen Tagen noch.
Der ein oder andere wird sich daran erinnern. Spätestens bei der Nebenkostenabrechnung.

Und weil der Winter so bitterkalt und ewig lang war, da wurde auch das Meer nicht warm.
Und weil das Meer nicht warm wurde, fand der arme Hering nix zum naschen und blieb ganz mager.

Jetzt könnte man sagen: „Hey, ist doch prima! Ich esse sowieso nur Styroporkugeljoghurt mit 0,02% Fett!“ Oder. „Bei Fleisch kaufe ich auch nur das magere Stück vom Schwein mit den 2 zusätzlich gezüchteten Rippchen!“

Das ist aber alles Kokolores!
Wenn der Hering keine Dickmacher findet, dann will den keiner! Vor allem nicht die Nieder... Holländer, und ich auch nicht! So!
 
Früher, in einer Zeit vor den Schwarz-weiß-Bildern, da war das schon mal so. Und dann war der Hering plötzlich weg und daran ist dann auch die Hanse zerbrochen. Weil der Hering zu mager war und weiterzog, wo das Gras grüner schien. Im übertragenen Sinne, natürlich.

Aber eigentlich ist das alles nicht so schlimm, gibt ja noch den Matjes von 2001, denn der Matjes-Hering, der muss sowieso immer tiefgekühlt und dann aufgetaut werden. Wegen der Würmer. Der Matjes isst nämlich keine Zwiebeln, die ja gut gegen Würmer sind. Das haben mir die Altvorderen berichtet und das stimmt immer alles, was die sagen! Früher war nämlich alles besser.
Die Zwiebeln, die kriegt der Matjes dann von mir. Aufs Brot geschmiert, quasi.

In Deutschland gibt es ja nun eine ganz besondere Form des Herings.
Das ist ein glattgebügelter Rollmops, nur ohne Gurke und Zahnstocher:
Der Bismarckhering!

Der Bismarck war natürlich nicht der Erfinder von dem feinsauer eingelegten Hering.
Der Bismarck, das war eine politisch hohe Hausnummer vor dem Anfang der Zeitrechnung und ungefähr das, was Frau Merkel heute ist. Allerdings war das für Bismarck alles viel einfacher. Er hatte nämlich die uneingeschränkte Richtlinienkompetenz. Und gewusst hat er sowieso alles. Im Gegensatz zum derzeitigen Kabinett „Hase“ (Drohnen-Tommy, Hochrisiko-Stromanleihe-für-jedermann-Altmaier oder Frau Merkel: „Ich weiß von nix!“)... Innenpolitisch war er allerdings ein Abklatsch vom Friedrich... selten bis wenig was auffe Kette gekriegt...

Und Lizenzrechte an seinem Namen hat er vergeben, als wenn es kein Morgen gäb.
Es gab Bismarck-Fahrräder, -Zigaretten, -Obst, -Gemüse, -Felsen, ganze -Ortschaften, -Inseln sogar!
Und -Türme.

Bismarck-Lizenzen durchdrangen das gesamte Spektrum der Warengruppen.
So wie heutzutage z.B. „Hello Miezekatze“. Und wir können, glaube ich, froh sein, daß wir den Bismarckhering und nicht den Hello-Miezekatze-Hering haben (obwohl das eigentlich viel logischer wäre, vonwegen Miezekatze und Fisch).

Und warum schreibe ich den ganzen Wust auf?
Weil ich einen dieser Herings...Bismarcktürme besucht habe. Mit dem Eisenhaufen von 1934, welcher ein Fahrrad ist und man selbst kein Hering sein darf.

(c) eric prieditis
Weil man nämlich die letzten Meter den Eisenhaufen geschultert, im Querfeldeingriff ein paar Stufen rauf wuchten muss! Die Karbidleuchte durfte fürs Foto noch schnell ans Rad dran. Das wär auch im Rucksack zu laut geworden, das Gebaumel und Geklapper.

Am Fuße der Treppen stand ein Gedenkstein mit -Tafel, die der „Viersener Verschönerungs Verein“
gestiftet hat. Dem Lizenznehmer des Herin...äh... Bismarckturms.

(c) eric prieditis
Der Verein hat offensichtlich keine Nachwuchssorgen.

(c) eric prieditis
Völlig außer Atem, musste ich erstmal in die Hocke.

(c) eric prieditis
Aufgestanden

(c) eric prieditis
Beweisfoto geknipst

(c) eric prieditis
Ab.




Der Radweg zwischen Willich und Vorst, der ist aber ein Plagiat. Den gibt's hier nämlich auch!

Der Bismarckturm in Viersen folgt einem Standardentwurf. Viele der Bismarckürme sehen so aus oder zumindest so ähnlich, die sind nämlich nicht alle individuell gestaltet, sondern wie Franchiseprodukte eben auszusehen haben: wiedererkennbar.

http://guterbubi.wordpress.com/2012/10/31/auswartsspiel-fur-kreuzbube/

Wir sollten mal ein Verzeichnis anlegen, welche wir blogübergreifend schon angesteuert haben. Bislang sieht es wohl so aus:

prieditis 2
kreuzbube 7

Wer mehr sehen will:

http://guterbubi.wordpress.com/2012/10/02/kreuzbube-turmt-doppelblog/
http://guterbubi.wordpress.com/2012/10/04/bismarck-nietzsche-und-der-naumburger-meister/
http://guterbubi.wordpress.com/2012/10/27/das-singende-klingende-turmchen/
http://guterbubi.wordpress.com/2012/10/13/anstatt-dass/

Eine Lebensaufgabe, alle (173) anzusteuern. Denn dazu müssen wir noch nach Afrika und Südamerika.

Oh, eine gute Idee!

Hier meine erste Bismarckturmberadelung:

http://prieditis.blogger.de/stories/2254582/

Wieder mal ein Beitrag, der die "goldene Heldenkurbel" verdient hätte. Wobei ich Ihrer Strecke nicht so ganz zu folgen vermag, denn um am klinkerexpressionistischen Strab-Depot am Handweiser in D-Heerdt vorbeizukommen, hätten Sie doch nicht über Krefeld fahren müssen. Ansonsten ist es natürlich immer wieder spannend, andere Blickwinkel auf mir vertraute Plätze und Streckenabschnitte zu sehen. Und was dem einen die Bismarcktürme, sind dem anderen die Windmühlen.

Danke, danke, danke. Diesmal war es schön flach und nicht annähernd so anstrengend wie der Turm in Langenberg.

Ich habe einen Schwenk über Krefeld gemacht, weil ich noch ein Grillaschtörtchen verdrücken wollte. Die sind ja nicht so leicht zu bekommen.

Die Windmühlen finde ich auch sehr interessant. Aber den Bismarckturm in Viersen, den hatte ich noch nie zuvor gesehen, obwohl ich schonmal ein oder zwei Spiele im benachbarten Fußballstadion angeschaut hatte.

Um die Existenz dieses Turms wusste ich, womöglich von einem braunen Hinweisschild, das ich beim Vorbeirauschen aus den Augenwinkeln noch wahrgenommen habe. Aber irgendwie hätte ich dieses Bauwerk eher auf der anderen Seite der B 7 vermutet, warum auch immer.

In letzter Zeit bin ich da nicht mehr so oft vorbeigekommen, da ich endlich eine Route Richtung Westen gefunden habe, die weder durch Mönchengladbach noch durch Viersen-Mitte hindurchführt. Von Neersen herkommend biege ich kurz hinter der Niersbrücke links ab in die K 18 Beckersweg-Bachstraße, und da komme ich dann auf verkehrsarmen Nebenstrecken auch entweder Richtung Dülken oder an Bockert vorbei nach Hausen und weiter Richtung Waldniel. Bei meinem ersten Ritt in die Niederlande habe ich mich noch durch Mönchengladbach durchgequält, und die Alternativroute über Viersen und Dülken ist auch nicht spaßiger, wenn man vorne 20/622 und hinten 23/622 fährt. Aber über solche Probleme kann der wandernde Wulstreifenpilot natürlich nur müde schmunzeln. ;-)

Neee, darüber schmunzel ich nicht! Ich mag ja die Strecke über Hardt und Hostert. Das am Rande.
Beim Wanderer habe ich übrigens etwas umgerüstet, wegen der Bremsen, damit ich damit auch mal im Gebirge abwärts fahren kann und nicht immer nur schieben muss.

Im direkten Vergleich erstmal die Wulstbereifung
(c) eric prieditis
Jetzt die Drahtreifen
(c) eric prieditis
So, und jetzt kann ich zahlenmässig auch was bieten:
Westwood Felgen 40-635 mit 28 x 1 1/2 Bereifung.

Fällt erstmal nicht auf, aber damit garantiert jemand was zu meckern hat, hab ich die Schluppen mit Reflexstreifen genommen ,o)

Puristen provozieren - immer gerne. Der Zeitfahrlenker an Monsieur Mercier ist ja an sich auch schon grenzwertig, und wenn da erst wieder die Schaltbremshebel dran sind, habe ich irgendwelche Mitfahrberechtigungen bei der Klassikerausfahrt final verwirkt.

Ihre Modifikation des Wandersmanns gefällt mir jedenfalls sehr gut. Dieses Rad- und Reifenformat füllt die Schutzbleche besser aus, so macht das doch gleich viel mehr her.

Ach, ich glaube, die Damen und Herren der "Klassikerausfahrt" sind gar nicht so pingelig ;o)

Dort darf man auch mit modernen Rädern teilnehmen.

Aber es gibt eben auch Menschen, die sind...anders. Manch einer gerät in Rage, weil das Schloss ein modernes ist...hahaha

Bei der Klassikerausfahrt ist jeder willkommen, wurde mir in Düsseldorf versichert. Allerdings bittet man darum, bei wiederkehrender Teilnahme sich dem Gedanken des Radklassikers anzunehmen.

Es gibt in Holland, oder Belgien, oder Italien... Ausfahrten, bei denen man das ganz streng nimmt. Allerdings verstehe ich die Zäsur ohnehin nicht. Es müssen Rahmenschalthebel sein und die Bremszüge müssen als offene Wäscheleinen verlaufen. Schon ein Aero-Bremshebel, bei dem der Bremszug unter dem Lenkerband verläuft, ist verpönt. Wie eigentlich ziemlich vieles, das eine sinnvolle technische Weiterentwicklung war. Da gibt es dann Leute, die kleben sich 30 Jahre alten Gummi auf die Felge...

Naja, in hundert Jahren sind die einen Räder 130 Jahre als und die anderen 140...

marl793 hat hinsichtlich der neuen Räder und Reifen des Wanderer vollkommen recht, das sieht viel schöner aus - und fährt sich bestimmt auch besser als eine schon vor einem halben Jahrhundert abgenudelte Rücktrittbremse. Auch wenn eine funktionierende Bremse nicht mehr so recht vintage sein sollte...

Ich habe eine günstige Nabe genommen, das ist so wie "Augen zu - 50 Jahre zurück - Augen auf - Stand der Technik heute" (Immerhin wurden viele Fabriken, die in Europa die Tore schlossen, abgebaut und hinter dem damals noch Eisernen Vorhang wieder zusammengepuzzelt. Die Fertigungsanlagen laufen sicherlich heute noch. Das Wanderer tuts ja auch).

Für die Torpedo gibt es wohl Rücktrittersatzteile aus Messing oder Stahl. Vielleicht repariere ich die noch, denn der Schmiermittelstutzen an der alten Nabe ist schon recht praktisch.
Wenn man übrigens (woher man das auch immer nehmen mag, unterwegs - hihi) nach einer Bergabfahrt Wasser auf die Nabe sprenkelt, dann raucht das ganz schön...

Dass die hiesigen Klassikfreunde die Sache entspannter sehen (auch das Thema Klickpedale), ging aus deren Blog ja schon hervor. Als Konzession an die Wäscheleinenpolitik würde ich ja zumindest die alten offen verlegten STI-Schaltzüge flattern lassen und von der Umrüstung auf elektronische Schaltung absehen. ;-)

Trotzdem finde ich es gar nicht grundverkehrt, dass es bei der Eroica oder deren Pendants strenger gehandhabt wird. Irgendwo muss man ja eine Grenze ziehen, wenngleich mir deren Verlauf bei den Aero-Bremshebeln auch eher willkürlich erscheint. Aber so kam ich wenigstens mal zu der Ehre, dem Teilnehmer Don A. seinerzeit mit regelkonformen Campa-Bremshebeln aushelfen zu können, die ich noch hier rumliegen hatte.

Es gab beispielsweise in den 30er Jahren schon Aluminiumrahmen, unter anderem bei dem Olympischen Spielen 1936. Ist das weniger klassisch als ein Stahlrahmen?

http://bikeville.blogspot.de/2009/12/very-tall-nicola-barra-frameset.html

Es gab in den 80ern Carbonrahmen. Klassiker?

Rahmenschalthebelpflicht:

Was ist mit den Lenkerendschalthebeln, die man bei Querfeldrennen fuhr?

Was mit dem Umwerfergestänge, mit dem man selbigen unten am Sitzrohr nach links und rechts bewegte, bevor es dafür überhaupt Rahmenschalthebel gab?

Oder die sich wirklich von den anderen Schaltsystemen abhebenden Suntour Command Schalthebel? Wie werden die eingeordnet? Es sind keine STI, aber auch keine Rahmenschalthebel.

http://si6.mtb-news.de/fotos/data/3139/P2190030N1024501.jpg

Und schließlich: Wie geht man mit Verschleißteilen um, die früher oder später gewechselt werden: Reifen, Züge, Lenkerband, Bremsbeläge, Sattel. Nur NOS kaufen, egal was es kostet? Reifen von 1970 fahren? Oder wie hier, nur Wulstreifen von 1934?