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"Durch Niederländisch-Nevada"
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Bein rauf, Bein runter... Und in der Gegend nix interessantes zu entdecken. Dabei bin ich ein großer Freund von Gegend. Bein rauf, Bein runter... Mit einer Aussicht bis zur belgisch-französischen Grenze...
Bein rauf, Bein runter...
Wenn man da so monoton in die Pedale tritt, dann kommen unweigerlich - zumindest bei mir - Ohrwürmer der Vergangenheit in den Sinn. Manchmal Schubert, an Bachläufen, z.B. Oder Wagner, bei Schußfahrten und steilen Anstiegen.
Meistens aber total nervige Sachen, wie Kalimba de Luna. 1984 gab es aber, der Herr sei gepriesen, nicht nur Kalimba de Luna (obwohl es da gleich mehrererererere Varianten gab), sondern auch die wunderbaren Pandoras, eine Mädschen-Garagen-Band aus den US of A. Deren Bassistin hat in späteren Jahren mal kurzzeitig für das "Wuuuhuhuhu" bei einem Lied von den Pixies verantwortlich gezeichnet.
Vielleicht hatten die ja Recht, und hinter der nächsten Biegung,
"That´s Your Way Out" ...of Maasvlakte...




Der "Rolling Stone" kürte 1984 zum "biggest year of pop". Tja. Ich werde in deren Top 100 nicht so recht fündig, sieht man mal ab von "Cruel Summer" von Bananarama. Ansonsten wäre mein Favorit des Jahres: "Our Darkness" von Anne Clark. Das geht mir auch noch oft im Kopf herum beim Radfahren.

In der damaligen DorfjugendvonderStraßehol-Bespaßung im Nachbarort gab es wöchentlich Disco! Nachmittags! Mit Kugel und drei bunten Lampen und - DAS Highlight - ein Stroboskop!
Da wurde eigentlich nur "Temple of Love", "Our Darkness", und anderes von den den Tellerwäschern-Frisierten gespielt. Kalimba de Luna zumindest auch dort nicht. Darum ging ich da gerne hin =)

In den Westerwälder Dorfdiscos, wo ich mich anno 84 wehrdienstbedingt rumtrieb, waren Anne Clark und die Sisters of Mercy weithin unbekannt, da lief nur Mainstream-Mucke à la Wham! rauf und runter. Da musste man schon froh sein, wenn mal bischen HI-NRG oder Italo-Disco lief.

Es war die Disco für die Untervolljährigen, wohlgemerkt.
Die räumliche Nähe zur Metropolregion Rhein-Ruhr und den Niederlanden (keine 15km entfernt), mögen dafür gesorgt haben, daß jene Art der Musik dort bekannt war. Es soll einige ältere Jugendliche gegeben haben, die sogar einmal im legendären Bochumer "Zwischenfall" im Kreis tanzten und dabei imaginäre Dinge vom Boden aufhoben.

Diese Kulturtechnik (ein schönes Wort, welches Sie da neulich gebrauchten) des "Sachen aufheben", ist der Jugend, Tempura und Maki Tempora und Mores geschuldet, völlig abhanden gekommen.

Von der einstigen Existenz dieses Zwischenfalls weiß ich aus einschlägigen Youtube-Kommentaren. Immer wieder interessant, in was für obskuren Etablissements die Mucke, auf die ich damals® stand, ebenfalls lief.

In der Facebook-Gruppe, in der ehemalige Mitinsassen Besucher meines damaligen Lieblingsschuppens in Erinnerungen schwelgen, ging es neulich auch um Tanzstile. Was ich schon völlig verdrängt hatte, war das Rumgezappel der Pychobillies. Die Fachwelt beschreibt das so: Psychobillies „[...] präsentieren sich [...] beim Tanzen und Rumalbern nicht nur hart, sondern auch „wahnsinnig“, als Monster: Sie reißen die Augen auf und verdrehen sie, lassen die Zunge aus dem Mund hängen, schütteln den Kopf und ziehen Grimassen, im Rhythmus der Musik fuchteln sie wild mit Armen und Fäusten und lassen sich manchmal von der Band mit Hühnerblut, Bier oder einfach nur so bespucken. Dabei stehen sie gerne halbnackt, extrem tätowiert, um sich rempelnd und schwitzend vor der Bühne und schubsen sich in einer betont wilden und aggressiven Manier durch die Gegend.

Gut, Hühnerblut wurde bei uns damals eher selten verspritzt, aber ansonsten ist das schon recht zutreffend beschrieben. Heute würde ich das natürlich so nicht mehr ausdrücken, aber seinerzeit fand ich diese Art der Selbstrepräsentation unter uns gesagt ziemlich behindert. Dagegen erschien mir "Sachen aufheben" noch vergleichweise normal und unspektakulär.

Ja, ist bekannt... ;o)

Bespucken... das haben die Düsseldorfer Urgesteine der "Terrorgruppe" mal angeboten. In Krefeld wars.
"Heute dürft ihr uns bespucken!" Danach zogen die "Kassierer" mit der CDU-Partei-Hymne als Polonaise durchs Publikum zur Bühne.
Das war indes natürlich kein Psychobilly.